ANNA PAPOULIAS, ist 1969 in Köln geboren und dort auch aufgewachsen. Sie absolvierte eine Ausbildung an der Fachakademie für Fotografie des Lette-Vereins in Berlin. An der Humboldt Universität Berlin studierte sie Kulturwissenschaften mit dem Schwerpunkt Ästhetik. 
Seit 2002 lebt und arbeitet sie als Fotografin in Köln.
Schwerpunkt ihrer Fotoarbeiten sind Langzeitdokumentationen, bei denen der Mensch und sein unmittelbares Umfeld im Mittelpunkt stehen. Für ihre Porträt- und Dokumentationsarbeiten war sie unter anderem in der GUS, der Mongolei, in China, im Irak und in Griechenland. Ihre Arbeiten wurden in Deutschland und Frankreich ausgestellt.

Ausstellungen: 
Photo-Expo, Paris 1998; Blickkontakte in der Mongolei, Werkstatt der Kulturen, Berlin 1999; Sur 1e Sentier des Cabanes, Conservatoire de 1'espace du littoral, Arles 2000
Historisches Museum, Frankfurt am Main 2001. (Im Rahmen der 52. Frankfurter Buchmesse.)

>GRIECHISCHE AUTORINNEN UND AUTOREN IN DEUTSCHLAND<

In der heutigen Zeit ist es an sich nichts Außergewöhnliches mehr in ein fremdes Land auszuziehen. Doch bei manchen Menschen fordert dieses Erlebnis einen kreativen Raum ein, über den sie ihre Erfahrungswelt mitzuteilen wünschen. Die meisten der porträtierten Autoren und Autorinnen leben zwei Leben - einen ganz „normalen" Arbeitsalltag und die Welt des Schreibens. Diese schreibenden Griechen sind Zentrum meiner Porträtserie. Viele von ihnen haben in Deutschland Wurzeln geschlagen und ihr Leben hier aufgebaut. Andere wiederum kehrten nach Griechenland zurück und setzen ihr Werk fort, dessen Quelle ihre Deutschlanderfahrung sind. Sehr heterogen sind die Lebensläufe der Schriftsteller und Schriftstellerinnen, sehr verschieden ihre Beweggründe nach Deutschland zu kommen und zu bleiben - und ebenso erweisen sich ihre literarischen Ausdrucksformen als sehr unterschiedlich. Einige von ihnen sind als sogenannte Gastarbeiter mit den ersten Anwerbeverträgen Anfang der 60er Jahre aus unterentwickelten griechischen Agrarregionen nach Deutschland gekommen. Andere flüchteten aus politischen Gründen während der griechischen Militärdiktatur (1967-74). Wiederum andere kamen zum Studieren an deutsche Universitäten. Nicht zu vergessen ist die Generation, die in Deutschland geboren wurde und hier lebt. Nicht alle sind beim Schreiben in der Muttersprache verblieben, einige der Autoren haben die deutsche Sprache zum Schreiben gewählt.
Allen gemein ist aber die Begegnung und Auseinandersetzung mit der deutschen Kultur, deren Werten und dem deutschen Alltag sowie die Konfrontation mit ihrer eigenen mediterranen Kultur. Diese gelebten (kulturellen) Differenzen sind sowohl bereichernde, als auch schmerzhafte Erfahrungen, da sie oft mit Entbehrungen und Verzicht verbunden sind. Erinnerungen an Vertrautes stoßen oftmals auf eine fremde Realität. Es bestand für mich ein besonderer Reiz, sie durch mein Medium der Fotografie als Gruppe zu konstituieren und zu Präsentieren.
Als Fotografin „erzähle" ich über den schreibenden Menschen und seine Umgebung, wie ich sie angetroffen habe. meine Fototermine sind mit viel Zeit verbunden - von dem Erlebnis eines intensiven Austauschs behält meine Kamera mehr als nur die Abbildung eines Gesichts. Es gibt Details aus dem persönlichen Umfeld, Spuren der Stimmung eines Nachmittags..... Die beiden Bilderwelten - das Porträt des Menschen und die Aufnahme eines Gegenstandes oder einer Landschaft seiner Wahl - erzählen kleine Geschichten ohne Worte über den jeweiligen Autor bzw. Autorin.
Begleitend zu dem Bildmaterial bat ich die Autoren und Autorinnen um einen Auszug aus ihrem literarischen Werk und um biografisches Material, welche dem Betrachter und der Betrachterin Aufschluss über die zum Teil sehr eigenwilligen Werdegänge geben soll.