DER KÜHLE BLICK DER LEIDENSCHAFT, Ausstellung im Hochbunker Kultur Köln 30, Köln-Ehrenfeld,
2001 (oben Einblicke in die Ausstellung)

Serie Büffelnylon
Serie Nylonturm
Torso 1 Serie Büffellatex
Serie Nylonkaktus
Biografie S.Hoffmann

>Rheinhold Misselbeck über  Sven Hoffmann
(Auszug aus dem Katalog "Der kühle Blick der Leidenschaft"2001)

Die große Kunst der Couturies besteht oftmals darin, Kleidung so zuzuschneiden, dass umso mehr Neugierde auf das geweckt wird, was verhüllt bleibt. Nicht selten verhält sich dann der Preis umgekehrt proportional zur Menge des verwendeten Stoffs. Nylonstrümpfen ist dieses Prinzip gleichsam immanent. Sie geben vor, ein Kleidungsstück für Frauenbeine zu sein und legen doch kaum weniger offen, als sie verhüllen.
Mit dieser Eigenschaft sind sie der ideale Werkstoff für Sven Hoffmann, dessen künstlerischer Werdegang sich stets auf der Balance zwischen freier Bildgestaltung und wiedererkennbaren Wirklichkeitsfragmenten entwickelte, mit welchen technischen Mitteln auch immer dies Ziel erreicht werden konnte. Dabei gab es jedoch stets eine Konstante: das abbildhafte Element mitfotografischen Mitteln zu erzeugen und dann eben diesen identifizierbaren Wirklichkeitsabschnitt durch Manipulation im Computer wieder soweit zu einer eigenständigen Form zu verhelfen, dass der ursprünglich abgebildete Gegenstand nur noch vielfach gebrochen erkennbar bleibt.
Zu Beginn der Moderne galten solche Methoden als Verfremdung. Die Wirklichkeitserfahrung sollte aus ihren gewohnten Angeln gehoben werden, um einen neuen, veränderten Blick zu ermöglichen. Wir alle erinnern uns an ein Objekt von Marcel Duchamp "Das Rätsel des Isidor Ducasse"... Die verhüllte und verschnürte Nähmaschine war trotz der Verpackung noch erkennbar und präsentierte sich doch als rätselhaft. Sie war ihrer Funktion beraubt und auf ihre Form reduziert...
Parallel entwickelte sich der Diskurs um die Welt der Bilder. Nicht mehr die Objekte selbst, auch die Abbilder, die Kunst stand zur Disposition....
Die Abbildfragmente definierten sich nicht kontextuell neu, sondern verschwanden hinter einer Schicht von Malerei, wurden teilweise ausgelöscht und durch Überzeichnung oder fotografische Veränderung uminterpretiert.
Dies ist genau der Weg, den Sven Hoffmann bisher ging. Es besteht ein gewisser Widerspruch zwischen den Bildern, die er im Kopf hat und denen, die sein Fotoapparat einfängt. So versucht er beide Welten aneinander anzunähern...
...Die Nylons Serie wirkt ... absolut fotografisch. Hier weißt Sven Hoffmann auf die oben bereits genannten Eigenschaften dieses Materials, zu verhüllen und doch gleichzeitig das Verhüllte preis zu geben, hin. Allerdings kommt es dem Künstler auch darauf an, durch entsprechende Bewegungen des darunter verborgenen Models, der Hände oder der Füße, Neuartiges entstehen zu lassen....
Sven Hoffmann ist ein Spieler, der die vom ihm entwickelten technischen Möglichkeiten nicht um ihrer selbst willen nutzt, sondern um sich ein Universum zu schaffen, das in seiner Phantasie bereits existiert und darauf wartet, in sichtbare Formen gegossen zu werden..