"Ovale Form II", 
Eitempera auf Nessel, 2-teilig

je 95 x 60
cm, 1997
"Ovale Form I",
Eitempera auf Nesse, 2-teilig

je 95 x 70
cm, 1997
„Formen" - so  tituliert Isolde Totenhagen ihre Kompositionen in Gelb und Violett. Die nüchterne Feststellung „Form" steht im Gegensatz zu dem sinnlichen Erlebnis, das ihre Bilder den Augen offerieren. Ein seidiger Glanz bestimmt die Oberfläche, die Farben selbst sind in ihrer Schattierung kaum festzulegen, sie tendieren bis hin zu fast Schwarz (bei Violett) und decken auf den hellen Flächen alle Nuancen eines Sonnengelb ab. Die Malerin hat eine eigene Technik gefunden, mit der sonst eher stumpf wirkenden Eitempera so zu arbeiten, dass sie transparent und strahlend wirkt. So gegensätzlich die Farben, so einfach - aufden ersten Blick - sind die Formen, die Isolde Totenhagen auf ihren Bildern darstellt: Es sind organisch anmutende Flächen; Schwellkörper wären sie denn dreidimensional; ein Fluß von Violett, der ins Bild strömt, sich ausdehnt, um hernach als Bachlauf den sonnengelben Untergrund wieder zu verlassen. Ausdehnung - Zusammenziehung; Systole und Diastole, so funktioniert unser Blutkreislauf, das Leben selbst. In der Literatur ist dieses Motiv z. B. bei Goethe zu beobachten. Faust spricht von „zwei Seelen" die in seiner Brust wohnen. Es sind zwei Gegenpole, einander bedingend, miteinander wetteifernd. Faust schwankt zwischen dem Wunsch nach emotionaler Entgrenzung und steter Kontrolle durch die Ratio. Die Farben, die Isolde Totenhagen für ihre Bilder ausgewählt hat, stehen für dieses Kräftespiel. Gelb und violett sind Komplementärfarben. Auf dem Kreis der Farbenlehre liegen sie einander diametral gegenüber; Gegensätze, die ohne einander nicht existieren können. Für die Künstlerin ist der Bildgrund der Lebensraum, in der die Figur, also die Form, in der Spannung zwischen Einengung und Ausdehnung lebt. Sie spricht sogar von der Persönlichkeit der Figur. So gewinnt auch die Titulierung „Form" eine weitere Bedeutung, es ist die „Lebensform"; die Bilder sind zugleich „Lebensraum".
Dr. Susanne Wischermann

1953 geboren Monheim/Rheinland, 1985-91 Studium der freien Malerei, FB Kunst der FH Köln bei Prof. Lewandowski und Marx, 1992 Ernennung zur Meisterschülerin.

Ausstellungen (Auswahl)
1992 Premierentage, Brüsseler Straße 94, Köln - 1993 the end, Galerie Barthel und Tetzner und Galerie 68elf, Köln - 1994 BID, Köln "es gibt Dinge zu sehn, die
muss man verstehn", Galerie Dieda - 1995 Klio & Kalliope im Duett, Kreuzkirche, Köln - Tata West 1995, Hochbunker körnerstraße und Lichthof Lotharstraße, Köln - 1996 together, Schloß Bedburg, Bedburg - Galerie Ella, Much - 1997 Künstlerinnen an der Universität, Köln - Zeitgleich, Lichthof Lotharstraße, Köln - Marathon, Neptunbad, Köln - 1998 Artothek, Langenfeld - 1999 Premierentage, Lichthof Lotharstraße, Köln - Commerzbank, Köln - 2000 Import/Export, Forcaquier, Frankreich - 2001 Zeitgleich, Lichthof Lotharstraße, Köln - 2002 JVA Euskirchen